Entwurf einer Ikone - Rolf Heide und die STAPELLIEGE

,,Das Einfache ist nicht einfach – es entsteht in einem langen Arbeitsprozess …“ – Rolf Heide

Mit seinen zeitlos-funktionalen Entwürfen im Bereich Interior und Corporate Design hat Rolf Heide (1932 – 2020) das deutsche Verständnis für Produktgestaltung entscheidend mitgeprägt. Seine Entwürfe zeichnen sich aus durch Klarheit, Simplizität und Funktionalität; durch Eigenschaften also, die tief in der Bauhaus-Tradition verwurzelt sind. Aufbauend auf einer Tischlerlehre und einem anschließenden Studium der Innenarchitektur hatte Rolf Heide schon früh die Idee entwickelt, zerlegbare Möbel über den Versand zu verkaufen. Der Aufbau der Möbel musste entsprechend so einfach wie möglich sein. Die STAPELLIEGE verkörpert Rolf Heides gestalterisches Credo am besten: Einfache Materialien werden auf eindrucksvoll logische Weise zusammengeführt und erhalten durch einen einzigen genialen Einfall ihr typisches Gesicht: in diesem Fall durch die schwungvollen Abrundungen der seitlichen Wangen.

 

Entwurf einer Ikone

Möbeldesigner, Innenarchitekt, Ausstellungsdesigner und kreativer Unternehmensberater: Mit seinen zeitlos-funktionalen Entwürfen im Bereich Interior und Corporate Design hat sich der Hamburger Gestalter Rolf Heide national wie international einen Namen gemacht. Sein bedeutendster Entwurf war ohne Frage die STAPELLIEGE. Ein Möbel für jede Lebenslage. Ein Leben lang.

 

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Nach seiner Tischlerlehre und seinem Studium der Innenarchitektur an der damaligen Muthesius Werkschule in Kiel hatte sich Rolf Heide 1959 selbständig gemacht und war zunächst als freier Mitarbeiter für Zeitschriften wie Brigitte, Schöner Wohnen oder Architektur & Wohnen tätig. Gemeinsam mit der Brigitte-Redaktion entwickelte er damals die Idee, zerlegbare Designermöbel per Versand zu verkaufen. Perfekt umgesetzt wird dieser Anspruch durch die 1966 vorgestellte STAPELLIEGE. Zielsicher traf Rolf Heide damit genau den Nerv der Zeit. Denn schon damals war Wohnraum knapp und teuer. Die STAPELLIEGE, die man einfach und Platz sparend übereinander stapeln und bei Bedarf als zusätzliches Gästebett nutzen kann, bot dazu die passende Antwort. Ein mobiles Möbel, das sich im Handumdrehen vom Doppelbett zum rutschfesten Sofa oder zum zusätzlichen Gästebett wird. Und wieder zurück. Kurz: Ein Entwurf, der heute wie damals aufzeigt, wie sich auch auf engstem Raum wunderbar leben lässt!

Begleitet wird die hohe Funktionalität der STAPELLIEGE durch ihr leichtes, zeitlos­minimalistisches Design. Ganz wichtig dabei: Zeitloses Design ist nicht nur modisch oder trendig, sondern es zeichnet sich vor allem durch Nachhaltigkeit und Langlebigkeit aus. Und das sowohl in Bezug auf die Konstruktion als auch im Hinblick auf die Gestaltung, die auch in unterschiedlichen Umgebungen und über Jahrzehnte hinweg immer erkennbar und einzigartig bleiben sollte. Die STAPELLIEGE setzt hier Maßstäbe. Denn sie ist nicht nur ein Paradebeispiel für ein zeitloses Design im Sinne von form follows function, sondern sie überzeugt auch durch hohe Robustheit. Die Basis dazu sind hochwertige Materialien wie schichtverleimtes Multiplex-Holz, das aus mehreren Schichten Holz besteht, die unter hohem Druck und Hitze zusammengeleimt werden. Das Ergebnis ist ein dauerhaft stabiles Bett, das sich flexibel an unterschiedlichste Lebenslagen anpasst und das auch mehrere Umzüge spielend mitmacht.

 

„Das Revolutionäre war [damals] sicherlich einmal ihre praktische Seite, aber auch ihr Aussehen: die ganz bestimmte Form, die man nicht vergisst, die aber irgendwie auch plausibel ist. Was sie verfolgt, ist keine Kosmetik, sondern Logik.” 

– Rolf Heide im Interview mit DW, 2010. 

 

 

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Herr Heide, wie ist die Idee zur Stapelliege seinerzeit entstanden?

Rolf Heide: Die Idee zur Stapelliege entstand im Zusammenwirken der Redaktion der Frauenzeitschrift Brigitte und mir als zuständigem Innenarchitekten für den Bereich Wohnen. Die Leserinnen und Leser sollten praktische, gut gestaltete und bezahlbare Einrichtungsvorschläge finden, im Handel fehlten oftmals die passenden Elemente dafür. Deshalb hatten wir uns überlegt, selbst etwas zu entwickeln, im Heft vorzustellen und über einen Versandhandel zu liefern. Die Kollektion startete mit einfachen Produkten wie Leuchten, schließlich auch mit Möbeln. Das Besondere war: Sie waren alle zerlegbar.

 

1966 haben Sie dann die STAPELLIEGE entworfen. Was war die Idee dahinter und was zeichnet die Liege in Ihren Augen aus?

Rolf Heide: Das Thema Flexibilität hat eine große Rolle gespielt, die Beweglichkeit, der Wunsch sich nicht festzulegen. Das waren wichtige Aspekte zu der Zeit. Ich wollte entsprechend ein einfaches, praktisches und preiswertes Möbel entwerfen, das den Sehnsüchten der damaligen Generation entsprach. Und das eine Form haben sollte, die man nicht vergisst, die plausibel ist. Die keine Kosmetik darstellt, sondern die logisch ist. Das Besondere dabei ist die Stapelfähigkeit. Denn das Gestell der STAPELLIEGE besteht aus speziell zugeschnittenen Schichtholzteilen, die mit einem einfachen Winkel übereck zusammengeschraubt werden. Ihre Form erlaubt es, dass die so entstandenen Rahmen weich und rutschfest übereinander gestapelt werden können. Außerdem beherbergt das Gestell Matratze und Lattenrost, was die STAPELLIEGE gleichzeitig zu einem praktischen Möbel macht.

 

Wie entstand damals der Kontakt zu den Müller Möbelwerkstätten?

Rolf Heide: Die Firma Müller Möbelwerkstätten produzierte damals qualitativ hochwertige Möbel für den damals neu entstandenen Versandhandel. So war es naheliegend, dass auch die STAPELLIEGE von Anfang an dort produziert werden sollte. Heute werden diese Möbel zusätzlich auch im stationären Handel angeboten.

 

Was denken Sie, wenn Sie Ihre STAPELLIEGE heute im Fachhandel, in den Wohn- und Fachmagazinen, auf Messen oder in Büchern sehen und sie dabei als „Designklassiker“ bezeichnet wird?

Rolf Heide: Die STAPELLIEGE hat das erfüllt, was sich schon Entwerfer und Redaktion damals vorgestellt hatten: gute und zeitlose Optik, verbunden mit der Lösung für vorhandene Platzprobleme. Ich freue mich deshalb jedes Mal wenn ich sie sehe! 

 

 

Das Interview wurde 2016 mit Rolf Heide geführt.  

 

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